Horst Janssen (1929 - 1995)

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Horst Janssen gilt als einer der bedeutendsten und zugleich exzentrischsten deutschen Grafiker und Zeichner des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1929 in Hamburg geboren, doch geprägt wurde er vor allem durch seine Kindheit in Oldenburg, wo er bei seinen Großeltern aufwuchs. Schon früh zeigte sich sein außergewöhnliches Talent, das sein Lehrer Alfred Mahlau erkannte und förderte seit Janssen ab 1946 an der Landeskunstschule in Hamburg sein Kunststudium begonnen hatte.

In einer Ära, in der die Kunstwelt zunehmend die Abstraktion suchte, blieb Janssen ein leidenschaftlicher Verfechter der Gegenständlichkeit. Mit einer obsessiven Arbeitsmoral schuf er ein monumentales Werk, das vor allem für seine technische Virtuosität in der Radierung, der Lithografie und der Zeichnung bewundert wird. Seine Motive sind dabei von einer tiefen Ambivalenz geprägt: In seinen unzähligen Selbstbildnissen, Landschaften und Stillleben verschmelzen Schönheit und Zerfall, Erotik und Tod. Janssen blickte mit einer schonungslosen, schmerzhaften Genauigkeit auf die Welt und sich selbst.

Doch Janssen war nicht nur ein Meister der Linie, sondern auch ein wortgewaltiger Egozentriker. Sein Leben in Hamburg-Blankenese war geprägt von Exzessen, genialen Einfällen und einer schwierigen Persönlichkeit, die ihm den Ruf eines „Enfant terrible“ einbrachte. Er war ein begnadeter Briefschreiber und Autor, der Bild und Text oft zu einer untrennbaren Einheit verwob. 
Sein internationaler Durchbruch gelang ihm 1968, als seine Werke im deutschen Pavillion der Biennale von Venedig ausgestellt wurden. Es folgten zahlreihe Ausstellungen weltweit.

Als Horst Janssen 1995 verstarb, hinterließ er ein Erbe von über 20.000 Zeichnungen und rund 3.000 Radierungen. Seine Heimatstadt Oldenburg widmete ihm im Jahr 2000 das Horst-Janssen-Museum, das bis heute einen tiefen Einblick in das Universum dieses Künstlers bietet.